Graphischer Bildungsverband

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Die Wiener Graphische Gesellschaft – Vorgänger des GBV

Die Ziele der Arbeiterbewegung waren seit ihrem Beginn nicht nur darauf gerichtet, den schaffenden Menschen materiell eine Besserstellung zu erkämpfen. Neben dem Verlangen nach Verkürzung der Arbeitszeit, dem Drängen nach Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage, dem Kampf um die Befreiung aus den Fesseln des mächtigen Kapitalismus strebten die Arbeiter nach höherer Bildung. Man erkannte, dass nur durch die Hebung des geistigen Niveaus ein Erfolg in der Zukunft möglich sei. Der geschlossenen Macht des besitzenden Bürgertums konnte nur ein gebildetes Proletariat Paroli bieten. Das geistig Ebenbürtige wird seinem Widersacher durch sachliche Argumente eher einen Erfolg abtrotzen, wird die Widerstände leichter überwinden, dem Ziel rascher näher kommen, als es radikales Draufgängertum instande wäre.Die Gründung der "Gewerkschaft Druck, Journalismus, Papier" erfolgte im Jahre 1842 als "Unterstützungsverein für erkrankte Buchdrucker und Schriftgießer in Wien". Es war daher nur eine logische Entwicklung, wenn im Jahre 1897 einige Kollegen das Bedürfnis fühlten, eine Vereinigung zu schaffen, deren Aufgabe es sein sollte, die fachliche Bildung über den Rahmen des eigenen Betriebes hinaus weiter zu entwickeln, die manchmal mangelhaften Kenntnisse einer ungenügenden Lehrzeit zu vervollständigen. Mehr als andere Berufszweige ist der graphische Beruf der zeitlich geänderten Geschmacksrichtung unterworfen und daher auf die Fortbildung in einer größeren Gemeinschaft angewiesen.

Im Jahre 1898 war es auch in Österreich soweit.
Der heutige "Graphische Bildungsverband" wurde als "Graphische Gesellschaft" von den "Buchdruckern" gegründet. Gleich zu Beginn entfaltete die Wiener Graphische Gesellschaft eine rege Tätigkeit; doch stellte sich bald heraus, dass Vorträge und Exkursionen allein nicht genügten, den Mitgliedern das fachliche Wissen restlos zu vermitteln. Der Besuch dieser Veranstaltungen kostete Zeit und Geld, die berufliche Tätigkeit hinderte so manchen, an den Vorträgen teilzunehmen. Dem Bedürfnis, ein Bindeglied für alle zu schaffen, musste Rechnung getragen werden. Schon im Jahre 1899 erschien die erste Nummer der "Graphischen Revue". Sie sollte durch praktische Beispiele und instruktive Artikel die Mitglieder informieren und zu selbständiger Arbeit aneifern. Das Wirken der Wiener Graphischen Gesellschaft war von Erfolg begleitet. In Verbindung mit der Fachzeitschrift blieb die Anerkennung nicht aus. Es ergab sich die Notwendigkeit, die Tätigkeit über die Grenzen Wiens auf das weite Gebiet der Monarchie zu erweitern. Aus der Wiener Graphischen Gesellschaft wurde die Graphische Gesellschaft Österreichs. Im Jahre 1914 beteiligte sich die Graphische Gesellschaft, wie viele andere graphische Vereinigungen, an der buchgewerblichen und graphischen Ausstellung in Leipzig. Es war wohl einer der erhebendsten Momente in der Geschichte der Gesellschaft, dass ihr Wirken durch die Verleihung einer goldenen Medaille die verdiente Anerkennung fand.


Ziele der Bildungsarbeit

Für Betriebsräte:
Betriebsrätliche Bildung (Grundschulung): Darstellungen, Erklärungen: DuP-Arbeitsrecht (KV: Graphisch, PPV-Industrie, PPV-Gewerbe, Expedit), Arbeitnehmerschutz, Arbeitsverfassungsrecht, Sozial- und Wirtschaftspolitik (Strukturen der Interessenvertretungen / Volks- und betriebswirtschaftliche Vorgänge ebenso wie die Funktionsweisen der Selbstverwaltungsinstitutionen); Delegierungen.

Kursarten für Fortgeschrittene:
Spezialkurse (Themengebunden), Sonderseminare; Verhandlungstechniken und Taktik; Menschenführung; Rhetorik-Spezialseminare; Vorschläge, Überlegungen aus GBV-Konferenzen (Pilotseminare, auch Wochenend-Seminare und andere Zeitformen): Diese Seminare sollen allen Mitgliedern zugänglich sein. Inhalte: Datennutzung und Datenbewertung – "Der gläserne Mensch"; Vorführung der Datenverknüpfungs- und Auswertungsmöglichkeiten an Personalcomputern nach Beantwortung von "anonymen" Fragebögen – z.B. für Teilnehmer an PC–Kursen; Medienerziehung (Darstellung der Zusammenhänge); Logiktraining; Diskutieren – Analysieren (Arten von Problemlösungen); Veranstaltungsversuche: Clubabende für Betriebsräte mit Themenschwerpunkt "Arbeitswelt"; kulturelle Anreicherung von Kursen (z.B. Lesungen zu Kursbeginn: "Literatur aus der Arbeitswelt", zum Teil als Diskussionsgrundlage – auch für ein eventuelles Abendprogramm).

GBV-Ausbildungs-, Weiterbildungs- und Qualifikations-Kurse
In Zusammenarbeit mit der Landesgeschäftsstelle des Arbeitsmarktservice  Wien, dem AMS Bekleidung, Druck, Papier sowie dem Berufsförderungsinstitut werden in den Kursräumen des Graphischen Bildungsverbandes in der Seidengasse und in der Zieglergasse sowie im Berufsausbildungszentrum in der Engerthstraße unter dem Überbegriff "Fachliche Bildung" Weiterbildungs- und Umschulungskurse, um Arbeitslosigkeit zu verhindern beziehungsweise Qualifikationskurse für Arbeitslose zur Wiedererringung eines Arbeitsplatzes, abgehalten. Auf Grund der rasanten technischen Entwicklung im graphischen Gewerbe werden bereits seit einigen Jahren in den Kursräumen des Graphischen Bildungsverbandes in Wien DOS-Kurse in Verbindung mit Programmen, die in den graphischen Betrieben zum Einsatz kommen, veranstaltet. Seit dem Spätherbst 1992 können in den neu geschaffenen Kursräumen auch Apple-Kurse auf modernsten Geräten abgehalten werden. Seit nunmehr fast zehn Jahren werden in der Berufsschule für das graphische Gewerbe in Wien Scanner-Kurse abgehalten. Diesen Scanner (Hell DC 300) erhielt die Berufsschule durch den Graphischen Bildungsverband. Durch den technischen Fortschritt im Bereich der Scanner-Entwicklung entspricht dieses nunmehr zehn Jahre alte Gerät nicht mehr den Anforderungen. Es ist daher vordringlichste Aufgabe des Graphischen Bildungsverbandes, für eine dem Stand der Technik entsprechende Ausbildungsmöglichkeit zu sorgen. Die räumlichen wie auch die technischen Möglichkeiten sind im Schulungszentrum des Graphischen Bildungsverbandes nunmehr vorhanden. Nicht nur in Wien werden Weiterbildungskurse durch den Graphischen Bildungsverband veranstaltet. In den unterschiedlichsten Formen gibt es Kurse in allen Bundesländern, der Größe des jeweiligen Bundeslandes und der Nachfrage entsprechend angepasst. Durch die dargelegten Aktivitäten und Förderungen wird effektivste Bildungsarbeit geleistet und zugleich einem gewerkschaftlichen Auftrag nachgekommen. Mit den von GBV–Bildungskonferenzen erarbeiteten Vorschlägen konnte der Graphische Bildungsverband eine Bildungsarbeit leisten, die von der Kollegenschaft anerkannt, akzeptiert und vor allem auch angenommen wurde.


Aktivitäten, Veranstaltungen des GBV

DuP-Festtage
wurden erstmals 1983 in Hallein (Salzburg), in der Folge in Linz, Steyr, Berndorf und Mayrhofen abgehalten. Diese Veranstaltungsreihe dient unter anderem der zwischenmenschlichen Verständigung und ist ein österreichweites Kollegentreffen mit Dichterlesungen, Folklore, Volksmusik, Kabarett, Ausstellungen und Musikgruppen. Vor allem jedoch sind es Kollegen, die für Kollegen etwas bieten.

Freizeitverwerter & Co. (Ausstellungsreihe in ganz Österreich)
Die Freizeitbeschäftigung unserer Kollegen wird einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Die schöpferische Veranlagung wird durch diese Reihe gefördert. Abgesehen von der Öffentlichkeitsarbeit haben diese Ausstellungen aber auch die Begegnung der "Freizeitverwerter" untereinander zum Ziel. Diese Reihe soll bewirken, dass bisher mit den bildenden Künsten nur kokettierende, diesen aber zugeneigte Kollegen Denkanstöße finden, mehr Mut zur Intensivierung ihrer Freizeitgestaltung zu finden.

Aktiv-/Kreativ-Urlaube
veranstalten seit Jahren der GBV Salzburg und Oberösterreich gemeinsam mit großem Erfolg. Gemeinsame Aktivitäten: Musizieren, Singen, Dichten, Malen, Brot backen, Wandern, Video–Filmen usw. Bildungsexkursionen werden von allen GBV-Landesstellen im In- und Ausland durchgeführt (zum Beispiel Betriebsbesichtigungen, Besuch der DRUPA usw.). Stammtische werden mit großem Erfolg derzeit von der Tiroler und der Vorarlberger Landesstelle für Facharbeiter abgehalten.

Computer-Clubs
gibt es sowohl auf gewerkschaftlicher als auch betrieblicher Ebene. Der Erfolg spricht für sich (z.B.: Salzburg erhielt den Benya-Preis zur Förderung der Facharbeit). Der Nebeneffekt: Kollegen können für die Gewerkschaft gewonnen werden, die bei anderen Veranstaltungen kaum angesprochen werden können.

DuP-Kalender
Nunmehr bereits Tradition hat die jährliche Herausgabe des DuP–Kalenders in limitierter Auflage. Ein Kalender, gestaltet von namhaften Künstlern, aber auch von Kollegen mit "Namen". Die Blätter des Kalenders – zwischen vier und sechs – sind vom jeweiligen Künstler nummeriert und handsigniert.

Fazit!
Gewerkschaftlich gemeinsames Handeln bei zukunftsorientierten arbeitsrechtlichen Regelungen ist nicht zuletzt auch das Ergebnis der Bildungsarbeit.
Dies deshalb, weil solche Ergebnisse nur mit einer geschlossenen Kollegenschaft erreicht werden können, mit einer voll informierten Kollegenschaft, einer Kollegenschaft, die sich "ihre Meinung zur Sache gebildet" hat, die sich "ihre Meinung gebildet" hat, die sich "gebildet" hat!